Hart, aber fair — Der neue Banking-Schwerpunkt an der HSBA

Von Januar bis Juni 2015 hat das erste Mal der neue Schwerpunkt Banken und Finanzmärkte an der HSBA statt gefunden. Anbei ein Erfahrungsbericht der Studierenden des Jahrgangs 2012. Die Kurzfassung wurde im HSBA Magazin veröffentlicht.

Hart, aber fair


von Britta Scholz

Die ersten Studenten haben den Schwerpunkt Banken und Finanzmärkte absolviert. Mitmachen ist in diesem Kurs angesagt: Programmieren, Diskutieren und ein bisschen Philosophieren. Ein Konzept, das sich bewährt hat.

Staatsanleihen sind sicher, Zinsen können nicht negativ werden und eine Bank wie Lehman Brothers kann niemals pleitegehen. Wissen ist nicht für die Ewigkeit. Die Realität schafft immer wieder neue Fakten über die Welt und widerlegt unser Verständnis für die Dinge. Harvard-Wissenschaftler Samuel Abersman hat die Halbwertszeit von Wissen untersucht und festgestellt, dass je nach Disziplin die Hälfte des Gelernten nach wenigen Jahren überholt ist. Umso wichtiger also, Studenten die Methodik beizubringen und das Werkzeug zu erklären, sodass sie Probleme selbstständig lösen können.

„Was beispielsweise eine Option ist, kann jeder Student in Lehrbüchern oder im Internet nachlesen, dafür muss man kein Seminar besuchen“, sagt Peter Scholz, Professor für den Schwerpunkt Banken und Finanzmärkte, „aber wie man ihren fairen Wert berechnet, wofür die Variablen in der Formel stehen, wie sie aufeinander wirken und das Ergebnis beeinflussen, das lernen die Studenten bei mir.“ Das Werkzeug dafür ist Excel. Etwa die Hälfte des Kurses über, arbeiten die Studenten mit dem Tabellenkalkulationsprogramm, bestimmen Portfoliogewichte, Optionspreise und Sensitivitäten und berechnen Risikomaße wie den Value at Risk. Haspa-Student Marvin Stroß nutzte die intensive Übung für seine Bachelorarbeit, in der er die Basics nicht nur rekapitulierte, sondern auf eine Problemstellung anwendete, die im Kurs nicht besprochen wurde. „Ohne die Grundlagen und das Verständnis für die Zusammenhänge, das uns im Banking-Schwerpunkt vermittelt wurde, wäre es sicher eine langweiligere Arbeit geworden“, resümiert Stroß, der Spaß daran hat, an Problemen zu knobeln und nicht so schnell aufgibt, wenn es schwierig wird.

Für Typen wie Stroß ist der Schwerpunkt Banken und Finanzmärkte genau richtig. „Ich erwarte keine Studenten, die schon als Fachexperten in meinen Kurs kommen“, erklärt Professor Scholz, ausgebildeter Banker, erfahrener Risikoanalyst und Portfoliomanager, „aber ich erwarte eine hohe Bereitschaft, Zeit für die Vor- und Nachbereitung zu investieren, und eine gewisse Begeisterung und Liebe fürs Thema.“ Nur dann funktioniere sein praxisorientierter Lehrstil, der auf Interaktivität und Case Studies statt Frontalunterricht setzt, auf Verständnis und praktische Anwendung statt auf auswendig Gelerntes.

Bei Professor Scholz gibt es beispielsweise kein vorgefertigtes Skript. Das erarbeitet sich jeder Kursteilnehmer selbst. In dem Umfang und der Detailtiefe, die ihm passt. Die Idee dahinter ist, dass man einen Sachverhalt dann wirklich verstanden hat, wenn man ihn auch erklären kann. Bei der Arbeit an einem Skript, setzt man sich zwangsläufig sehr viel intensiver mit den Themen auseinander. Erst dann entstehen auch Fragen, die laut Professor Scholz viel wichtiger für das Verständnis seien, als die Antworten. Offene Fragen werden in der Gruppe diskutiert. „Wenn einer von uns mal etwas noch genauer wissen wollte, konnte er auch in der Pause oder nach dem Seminar bei Professor Scholz nachhaken“, erinnert sich Jonas Klose, Student von der HSH-Nordbank und fügt hinzu: „Der persönliche Draht zum Dozenten hat mir mit am besten gefallen.“

Eine weitere Besonderheit: Ihr Skript dürfen die Studenten auch in der Klausur verwenden. Der Abschlusstest im Schwerpunkt Banken und Finanzen findet in Form einer Open-Book-Klausur statt. Frei nach dem Motto „Man muss nicht alles auswendig wissen, aber man muss wissen wo es steht“. „Ich halte nicht viel vom ‚Bulemie-Lernen‘, bei dem die Studenten große Stoffmengen in kurzer Zeit auswendig lernen, um sie dann in 180 Minuten auszuspucken und anschließend wieder zu vergessen“, erklärt Professor Scholz. „Das ist nicht nachhaltig.“

Das Tempo im Kurs ist hoch, und damit auch die Gefahr, den einen oder anderen Studenten unterwegs zu „verlieren“. Dieses Problem löst Professor Scholz im virtuellen Klassenzimmer. Über die Web-App „Socrative“ kann er individuelle Multiple-Choice-Tests stellen, die die Studenten an ihren Smartphones beantworten. So sieht er schnell, wo Nachholbedarf ist. „Hier profitieren wir sehr von den kleinen Gruppen an der HSBA, weil ich auf konkrete Situationen reagieren kann“, schwärmt der Dozent, der sehr darauf achtet, dass alle Kursteilnehmer immer auf dem gleichen Level sind.

Für Studenten ist der unkonventionelle Lehrstil manchmal noch gewöhnungsbedürftig. Wer sich darauf einlässt, profitiert am Ende wie Klose, der sagt: „Mir hat das selbstständige Arbeiten viel für meine berufliche Perspektive gebracht. Ich weiß jetzt, dass ich die Sachen verstanden habe und anwenden kann.“ Sein Kommilitone Stroß ist Kreditanalyst im Immobilienbereich der Haspa und kann dort sein Excel-Know-how ganz konkret einsetzen.

„Hart, aber fair“ lautete das Urteil der Teilnehmer nach der ersten Runde des neuen Schwerpunkts Banken und Finanzmärkte. Alle neun Studenten absolvierten ihn erfolgreich. Das Konzept habe sich bewährt, sagt Professor Scholz, den im kommenden Studienjahr doppelt so viele Teilnehmer erwarten. „Ich freue mich auf noch mehr motivierte Studenten, interessante Fragen und einen spannenden Austausch.“

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