Podiumsdiskussion 20. Börsentag Hamburg

Foto: Maximilian Ligus
Text: Britta Scholz

Am 31. Oktober fand der 20. Börsentag Hamburg statt. Auf der Finanz- und Anlegermesse waren alle namhaften Adressen der Finanzszene vertreten und boten den Besuchern Gelegenheit, sich umfassend zu informieren. Zudem waren knapp 60 Referenten vor Ort und haben in ausgebuchten Vorträgen ihr Wissen vermittelt.

Banker sind nicht böse

Auch im Albert-Schäfer-Saal der Handelskammer Hamburg waren alle 350 Sitzplätze besetzt, als beim Top-Event des Börsentages Experten aus Wissenschaft und Praxis einen Ausblick auf das kommende Börsenjahr wagten. Auf dem Podium nahmen Michael Arpe (Hanseatischer Anleger-Club), Robert Halver (Baader Bank), Dirk Müller (Finanzethos Fonds GmbH) und Prof. Dr. Peter Scholz von der HSBA Platz. Christoph Damm vom Deutschen Anlegerfernsehen moderierte das Gespräch.

Bei der Einstiegsfrage ob 2015 ein gutes Börsenjahr gewesen sei, waren sich die vier Diskussionsteilnehmer einig: Es gäbe kein gutes oder schlechtes Jahr, sondern nur eine gute oder eben eine schlechte Anlagestrategie. Und eine für Privatanleger gute, weil möglichst risikoarme Strategie zeichne sich insbesondere durch eine breite Diversifikation aus, empfahl Börsenmakler Dirk Müller. „Mit möglichst dividendenstarken Aktien“, ergänzte Kapitalmarktanalyst Robert Halver.

Auf den Nutzen von Timing-Strategien angesprochen, gab Prof. Peter Scholz zu bedenken, „dass es selbst für Experten eigentlich unmöglich ist, den perfekten Ein- oder Ausstiegszeitpunkt zu finden“. Daher rät er: „Wer möglichst wenig Aufwand betreiben und stabile Erträge erzielen möchte, sollte sich an ETFs halten und mit zunehmendem Alter die Aktienquote reduzieren.“ Da ohnehin die wenigsten aktiven Manager den Markt kontinuierlich schlagen können, sei das die kostengünstigste Möglichkeit mit den wenigsten Überraschungen.

Strategie hin oder her, HAC-Geschäftsführer Michael Arpe nahm die Anleger in die Pflicht: „Privatanleger müssen sich informieren, in welche Produkte sie ihr Geld anlegen und die Verantwortung für ihre Investments übernehmen.“ Außerdem forderte er eine höhere Bereitschaft, Vermögensanlage als Arbeitsleistung anzuerkennen, die bezahlt werden muss.

Die Rolle der Banken

Das Vertrauen in die Anlageempfehlungen von Bankberatern ist spätesten seit der globalen Finanzmarktkrise erschüttert. „Zu Recht“, meinte Müller. Schließlich seien die Empfehlung vom Vertriebsdruck gelenkt, die Geschäfte samt und sonders intransparent und die Liste der Rechtsstreitigkeiten zu umfangreich, als dass man den deutschen Privatbanken noch vertrauen könne. Lautstarke Zustimmung vom Publikum. Prof. Scholz, selbst ehemaliger Investmentbanker,  kam nicht umhin, dieses schiefe Bild zurechtzurücken: „Dass Banken, wie alle anderen betriebswirtschaftlich handelnden Unternehmen, ihren Profit maximieren, steht außer Frage. Ebenso, dass sie das teilweise mit ethisch fragwürdigen Methoden versuchen. Aber vergessen Sie nicht, dass 90 Prozent der Banker ehrbare Kaufleute sind, die versuchen einen guten Job zu machen und nicht ihre Kunden übers Ohr zu hauen. Banker sind keine bösen Menschen.“

Ob die Banken denn etwas gelernt hätten aus der Krise, wollte Christoph Damm wissen. „Ganz bestimmt haben sie aus ihren Fehlern gelernt“, ist sich Prof. Scholz sicher. Der übertriebene Regulierungsdruck sorge aber dafür, dass sie das Gelernte nicht umsetzen können. Die strengen Eigenkapital- und Liquiditätsvorschriften von Basel III erschweren das ureigene Geschäft der Banken, nämlich Geld in Form von Krediten zu verteilen. „Einerseits überflutet die EZB die Märkte mit billigem Geld, aber durch die sehr strenge Regulierung können die Banken das Geld nur schlecht in die Wirtschaft weiterleiten“, so Prof. Scholz.

Über die Rolle der Banken wurde sehr energisch diskutiert, aber auch über die Auswirkungen der aktuellen Flüchtlingspolitik auf die Kapitalmärkte. Den Nerv der Zuhörer schienen die Gesprächsteilnehmer getroffen zu haben: Applaus und zustimmendes Kopfnicken in allen Reihen. Und am Ende der Diskussionsrunde bekamen die Gäste noch konkrete Anlagetipps fürs kommende Jahr an die Hand. Einig blieben sich die Experten auf dem Podium aber nur in einem Punkt: Es gibt kein gutes oder schlechtes Börsenjahr.