Die Illusion der Freiheit?

Aktuell gibt es eine große Debatte um die Reglementierung der Bargeldtransaktionen. Beträge über 5.000 €, so die Regierung, sollten nur noch unbar abgewickelt werden dürfen um so der Kriminalität und besonders der Geldwäsche einen Riegel vorzuschieben. Bei den meisten ehrlichen Bürgern dürfte dieser Vorschlag wohl Schulterzucken auslösen: wer tätigt im normalen Geschäftsleben schon Bartransaktionen in dieser Höhe?

Deswegen ist es ein geschickter Schachzug: diese Regel scheint auf wenig Widerstand zu stoßen. Ich frage mich aber: welchen Sinn macht so eine Regel? Ohnehin gibt es für hohe Bargeldtransaktionen seit geraumer Zeit eine Meldepflicht. Kriminelle untereinander werden bei sich bei ihren Geschäften kaum von einer Bargeldschranke beeindrucken lassen. Oder glaubt jemand ernsthaft, dass sich zwei Kriminelle, die beispielsweise illegale Waren untereinander handeln dann innehalten und bei der Bezahlung zögern, weil sie so viel Bargeld nicht annehmen dürfen? In der Serie „Breaking Bad“ wurde vorgemacht, wie man Geld wäscht: kleine Beträge unauffällig ins System schleusen.

Diese Regel würde nur zweierlei bewirken: zum einen signalisiert man der Bevölkerung „wir tun was“, selbst wenn es völlig unnütz ist. Aber man kümmert sich ja. Zum anderen, und das ist viel gefährlicher, wird hiermit eine Barriere durchbrochen. Was heute ein Limit von 5.000 € ist, kann morgen 500 € sein. So eine Änderung lässt sich viel leichter durchsetzen. Und so wird der Bürger wieder ein Stück mehr gläsern. Und natürlich hat der ehrliche Bürger etwas zu fürchten, selbst wenn er keinerlei illegalen Aktivitäten durchführt: man kann und wird den Bürger screenen. Und große Datenmengen werden mit Algorithmen durchforstet, die versuchen Muster zu erkennen. Und manchmal gibt es eben auch Fehlalarme, d.h. ein unschuldiger Bürger wirkt auf einmal verdächtig. Selbst wenn er seine Unschuld beweisen kann (sollte es nicht umgekehrt sein?), wird dieser Fall niemals völlig aus den Akten verschwinden. Diese Überwachung ist wieder ein Schritt mehr, den Bürgern ihre Freiheit zu nehmen mit dem Kniff der Sicherheit der Gesellschaft im Blick zu haben (zum Thema „ich habe ja nichts zu verbergen“ empfehle ich diesen Artikel).

Eine offene und freie Gesellschaft geht Risiken ein. Sie ist anfällig, betrogen und angegriffen zu werden. Das ist der Preis der Freiheit. Natürlich sollte man versuchen, diese Kosten der Freiheit so weit wie möglich zu reduzieren. Aber Freiheitsverzicht muss immer abgewogen werden gegen die zusätzliche Sicherheit die man gewinnt. In diesem Fall der Beschränkung der Bartransaktionen ist das aber ein zahnloser Tiger und ein weiterer Schritt nach 1984!

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