Droht den Banken die feindliche Übernahme durch FinTechs?

Im Rahmen der Veranstaltung  Finanzwirtschaft trifft Wissenschaft des Finanzplatz Hamburg e.V. habe ich meine Thesen zum Thema Konkurrenzkampf zwischen FinTechs und Banken vorgestellt. Es war eine sehr spannende und informative Veranstaltung mit insgesamt drei Referenten: Prof. Dr. Patrick C. Leyens zum Thema „Abschlussprüfer, Ratingagenturen und Finanzanalysten als Informationsintermediäre des Kapitalmarkts“; Prof. Dr. Henning Vöpel und Hendrik Hüning, die die Bedeutung von „Zentralbankkommunikation und Finanzmärkte“ vorstellten.

Die Kernaussagen meines Vortrages finden Sie, wenn Sie weiterlesen:

Zusammengefasst, kann man festhalten, dass die Digitalisierung ein Megatrend ist, der vor über 30 Jahren begonnen hat und uns sicherlich noch viele Jahre, wenn nicht Jahrzehnte beschäftigen wird. Die Digitalisierung erfolgt zudem in Wellen: Die erste Welle war der Einzug der PCs ins heimische Wohnzimmer, die zweite die Kommerzialisierung des Internets und die dritte Welle das mobile Internet mit dem Smartphone. Allerdings scheint in der Digitalisierung nicht immer der Schnellste zu gewinnen, sondern eher der, der den Kundennutzen am besten trifft. Daher sollten die Investitionen in Digitalisierung nicht durch Emotionen getrieben sein (Euphorie, weil alle das machen oder Angst, abgehängt zu werden), sondern kühl kalkuliert, den Kundennutzen stets im Auge behaltend. Ich stimme auch nicht der These zu, dass „alles was digitalisiert werden kann auch digitalisiert wird“. Das mag auf Prozesse und Daten zutreffen, nicht aber auf die Beziehung zum Kunden — zumindest nicht auf absehbare Zeit.

Was die FinTechs konkret betrifft: Das Bankgeschäft ist nicht wie jedes andere Geschäft. Es enthält zum einen hohe regulatorische Hürden. Zum anderen spielt das Vertrauen eine größere Rolle als beispielsweise im Einzelhandel. Während ich einen Online-Händler mit einem kleinen Kauf „ausprobieren“ kann, ist das bei Bankdienstleistungen schwieriger. Zudem haben die FinTechs ihren Fokus zu sehr auf dem technisch Machbaren, nicht unbedingt auf dem Kundennutzen. In den letzten Monaten haben wir beispielsweise drei Zahlungsanbieter gesehen, die aufgeben mussten (Paymey, Yapital und Paij). Obwohl die technischen Lösungen aus meiner Sicht durchaus durchdacht waren, hatten alle drei den Kundennutzen nicht beachtet: allein eine Zahlung mit dem Smartphone technisch ausführen zu können, ist zu wenig. Schließlich gehen die FinTechs auch das Risiko ein, dass Ideen oft leicht kopierbar sind.

Aus meiner Sicht lautet daher die Empfehlung: FinTechs und Banken sollte eng zusammenarbeiten. Während FinTechs ihre Stärken im unkonventionellen Denken haben, im Umgang mit Daten und Prozessen, können Banken Know-how im Aufbau von Kundenbeziehungen, Wissen um Regulatorik und einen Vertrauensvorsprung einbringen. Eine Kooperation dürfte sich als wertvoll für die Herausforderungen der Digitalisierung erweisen, da die stärksten Konkurrenten die schnellere Bank sowie die großen IT-Player sind!