Von Piloten, Helden und Einhörnern

Ich gehe auf Safari. In Hamburg. Denn am 14. Oktober 2016 hat der Finanzplatz Hamburg unter Leitung von Jörn Le Cerf zur FinTech Safari eingeladen, im Rahmen der FinTech Week. Wir besuchen drei Start-ups, die von Hamburg aus den Bankenmarkt erobern wollen. 

Erste Station: Das Unternehmen Deposit Solutions, 2011 in Hamburg gegründet, gehört heute zu den führenden Fintech-Unternehmen Europas. Sein Anlegerservice Zinspilot ermöglicht deutlich höhere Zinserträge auf Tages- und Festgeldkonten als derzeit am Markt üblich. Die Idee dahinter ist simpel: Der Kunde braucht nur ein einziges Konto, mit dem er Zinsangebote in ganz Europa nutzen kann. Zinspilot bringt das Geld quasi dorthin, wo es am meisten Wert ist. Innerhalb von 13 Monaten nach Geschäftsgründung haben die Zinspiloten 1 Milliarde Euro investiert – Rekord.

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Die Geschäftsidee halte ich für zukunftssicher: Sie ist nicht disruptiv, sondern setzt auf eine Kooperation mit den Banken. Sie bringt sowohl den Privatanlegern als auch den Banken einen echten Mehrwert. Und sie ist nicht leicht kopierbar, denn das Netzwerk zu den verschiedenen Banken ist ein echtes Asset. Die größten Risiken aus meiner Sicht: Steigende Zinsen, denn dann sind die Kunden vielleicht wieder weniger preissensitiv; und der Ausfall einer Partnerbank. Nicht dass die Kunden ihr Geld verlieren (die sind normalerweise durch Einlagensicherung abgedeckt), aber das Vertrauen könnte schwinden.

Zweite Station: Die Haftpflicht Helden sind mit ihrem Angebot des „modernsten Haftpflichtschutz‘ Deutschlands“ auf die junge Zielgruppe aus. „Junge Erwachsene wollen digitale Angebote, die überall verfügbar sind und einfach funktionieren“, sagt Geschäftsführer Florian Knörrich. „Mit dem Helden Schutz erfüllen wir genau diese Erwartungen.“ Was die Helden bieten? Eine Privathaftpflichtversicherung, die in drei Minuten abgeschlossen ist , 72 Euro pro Jahr kostet und täglich kündbar ist. Verursacht der Versicherte einen Schaden, kann er diesen direkt per App an die Versicherung melden.

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Die Idee ist gut, die Jungs sind smart – keine Frage. In diesem Geschäftsmodell sehe ich aber größre Risiken für das FinTech. Obwohl das Produkt wirklich gut durchdacht ist, ist die Idee grundsätzlich leicht kopierbar. Wenn ein großer Versicherer ernst macht, ist ein ähnliches Konzept in überschaubarer Zeit am Markt. Als Versicherungsnehmer hätte ich Bedenken, dass ich nach einem Schadenfall relativ schnell gekündigt werde. Bei einer Versicherung, bei der ich mehr Verträge als nur eine Haftpflicht habe, gibt es da vermutlich mehr Spielraum.

Ditte Station: Kreditech ist die etablierteste der drei  „Safari-Firmen“ und ein Einhorn in seiner Branche – ein Startup mit einem Firmenwert von mehr als einer Milliarde US-Dollar. Kreditech bietet Lösungen für Personen, die aufgrund der üblichen Bonitätskriterien kaum Zugang zu Kreditverträgen und hat dafür ein eigenes Scoring-Modell entwickelt. In weniger als einer Minute werden computergestützt mehr als 20.000 Kundendaten analysiert und ein individuelles Risikoprofil erstellt.

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Kreditech ist bereits erfolgreich und sehr professionell aufgestellt. Dennoch  bleibt es spannend zu sehen, wie sich der Markt für Mikrokredite in der Zukunft entwickeln wird. Denn es tummeln sich hier große Wettbewerber, wie die KfW oder die IFC (Tochter der Weltbank). Aber auch Mobilfunkfirmen – als Beispiel sei M-Pesa von Safaricom genannt, könnten in Zukunft Wettberwerber werden. Vorteil von Kreditech sind sicherlich die originären Scoringmodelle, die ein Asset darstellen. Allerdings sind z.B. die Mobilfunkanbieter noch direkter an den Kunden, durch die mobilen Endgeräte. Und da die Regulierung des Kreditgeschäfts in vielen Ländern ebenfalls eine gewisse Hürde darstellt, ist eine Expansion auch nicht immer einfach möglich.