Trumponomics

Etwas ist im faul im Staate Amerikas – das hat auch Donald J. Trump gemerkt und in seinem Wahlkampf Kapital daraus gezogen. An sich geht es den U.S. amerikanischen Bürgern nicht schlecht – der sogenannte Misery Index, der Arbeitslosigkeit und Inflationsrate addiert, bewegte sich 2016 um die 6 Prozent, was historisch betrachtet ein eher niedriger Wert ist. Allerdings ist das Vermögen in den USA ungleich verteilt. Während es den Menschen an den Küsten eher gut geht, ist die wirtschaftliche Realität in den „fly-over States“, oft eine andere. Hinzu kommt, dass  die Staatsverschuldung und das Handelsbilanzdefizit der USA enorm sind und auch Obama-Care hat dem einfachen amerikanischen Bürger nicht die erhoffte Besserung gebracht. Diese Unzufriedenheit in Kombination mit dem verklärten Traum „Amerika wieder großartig zu machen“, hat wohl zur Wahl des republikanischen Außenseiters beigetragen. Kaum im Amt, drückt Trump gehörig aufs Tempo: Bereits in seinen ersten Wochen hat er per Executive Orders begonnen, einige seiner zentralen Wahlversprechen einzulösen. Die Frage, die aber gestellt werden muss: Helfen diese Maßnahmen überhaupt, die Missstände zu beseitigen?

Trump verspricht vor allem Wachstum und Jobs: 25 Millionen neue Jobs in den nächsten zehn Jahren sowie ein jährliches Wirtschaftswachstum von 4 Prozent. Mittel der Wahl: Protektionismus und Deficit Spending à la Keynes. So sollen weder illegale Einwanderer in den USA Jobs klauen, noch sollen durch Freihandel Arbeitsplätze in andere Länder abwandern. Konkret setzt Trump dabei auf protektionistische Zölle, Steuersenkungen, Deregulierung und eine strenge Limitierung der Zuwanderung bzw. gar Abschiebung von Immigranten.

Erstes Anliegen von Trump: Bau einer Mauer zwischen den USA und Mexiko. Eine Studie der „Washington Post“ schätzt die Kosten für den Bau auf rund 25 Mrd. US-Dollar, wenngleich Trump behauptet, die Mauer nur für ungefähr die Hälfte bauen zu können. Das Geld will er vorstrecken, aber von Mexiko zurück haben. Da die Mexikaner sich beharrlich weigern dürften, die Mauer zu bezahlen, brachte Trump Zölle ins Spiel, um so die Mexikaner indirekt für die Mauer bezahlen zu lassen. Das ist freilich nur die halbe Wahrheit: Denn bezahlt wird der Zoll von den US-amerikanischen Konsumenten, d.h., letztendlich wird der amerikanische Bürger für die Mauer bezahlen und der Handel zwischen Mexiko und den USA wird vermutlich schrumpfen. Das bedeutet somit in erster Linie mehr Schulden, aber auch sinkende US-Exporte und steigende Preise.

Weitere Kosten wird die Abschiebung der ca. 11 Millionen illegalen Immigranten verursachen – etwa 500 Milliarden US-Dollar, schätzt Ben Gitis von der Denkfabrik Amercan Action Forum.  Geld, das der Steuerzahler direkt aufwenden muss. Da die Einwanderung andererseits begrenzt oder sogar ausgesetzt werden soll, würden so zwar viele Jobs an Amerikaner vergeben werden können. Allerdings ist die Arbeitslosenquote aktuell mit ca. 5 Prozent nicht besonders hoch und es ist fraglich ob die Stellen direkt neu besetzt werden könnten. Es ist realistisch anzunehmen, dass dies kurzfristig nicht eins zu eins möglich ist. Daher sind zum Teil Lohnanstiege zu erwarten, was einerseits zwar positiv ist, andererseits aber zu höheren Kosten bei den Unternehmen führt, was wiederum entweder Unternehmensgewinne senkt und oder die Preise der Produkte und Dienstleistungen erhöht. Oder aber die Billigjobs werden nicht vergeben und die Produktivität sinkt. Die Kosten der Abschiebung dürften hingegen ziemlich sicher die Staatsschulden weiter ansteigen lassen. Interessant ist, dass Trump einen Einstellungsstopp bei Behörden verhängt hat, mit Ausnahme des Militärs. Wie er die Kapazitäten für die Abschiebung bereitstellen will, bleibt sein Geheimnis.

Ein beliebtes Wahlversprechen sind Steuersenkungen. Auch das hat Trump im Repertoire. Dass dies die Einnahmen des Staates zunächst reduziert, ist die logische Konsequenz. Schätzungen zufolge beläuft sich das Einnahmendefizit auf bis zu 6 Billionen US-Dollar in den ersten zehn Jahren. Grundsätzlich fördern geringere Steuersätze das Wachstum, ob und wann jedoch die Wirtschaftsleistung davon profitiert, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab.. Allerdings werden die US-Staatsschulden dadurch zumindest kurzfristig sicher ansteigen.

Dank des Keynesianischen Deficit Spending soll in die teilweise marode US-Infrakstruktur investiert und so das Wirtschaftswachstum stimuliert werden. Trump möchte also nicht nur eine Mauer, sondern auch Brücken, Straßen, Pipelines, Schulen u.v.m. bauen. Das Volumen beläuft sich auf rund 1 Billion US-Dollar. Ziemlich sicher dürfte ein solches Ausgabenprogramm das Wirtschaftswachstum beflügeln, zumindest in den betroffenen Sektoren. Und beispielsweise das US-Elektrizitätsnetz hat Investitionen auch nötig. Fraglich ist nur, woher Trump die ganzen Arbeiter bekommen möchte, da im Baugewerbe bereits jetzt viele Stellen unbesetzt scheinen und er Zuwanderung ja ausschließt. Daher sind wiederum steigende Löhne und ein Anstieg der Staatsverschuldung wahrscheinliche Folge. Während Deficit Spending in Krisenzeit oft ein probates Mittel ist, scheint sie bei der aktuellen US-Konjunktur schlicht nicht notwendig zu sein. Auffällig ist zudem, dass Trump gezielt die „alten Industrien“ wie Baugewerbe, Stahlindustrie, Automobile, fossile Energie usw. fördern möchte. Visionär und zukunftsweisend ist das nicht.

Schließlich sollen Zölle die einheimische Industrie und damit Jobs schützen. Tatsächlich haben die USA ein gewaltiges Handelsbilanzdefizit. Die Beschränkung des freien Handels durch Zölle scheint jedoch sehr kurzsichtig zu sein, denn die Handelspartner werden wiederum mit Zöllen reagieren und so der amerikanischen Exportindustrie das Leben schwer machen. Wahrscheinliche Folge sind somit wiederum eine geringere Wirtschaftsleistung aufgrund geringerer Exporte und ein Preisanstieg der Güter für die amerikanischen Verbraucher.

Die gesamten Ausgaben dürften sich somit auf mehr als 7,5 Billionen US-Dollar summieren. Das entspricht ungefähr dem Doppelten des jährlichen US-Haushaltes. Gemessen am aktuellen Schuldenstand von rund 20 Billionen US-Dollar, betrüge eine Neuverschuldung ca. 37,5 Prozent. Wenn wir alle Maßnahmen Trumps zusammenfassen, dann sehen wir, dass die Preise und das Staatsdefizit steigen dürften. Die Zunahme der US-Schulden dürfte die Zinsen erhöhen. Insbesondere da es fraglich scheint, ob die klassischen Abnehmer der US Staatsbonds, China und Japan, im Zuge der Strafzölle weiter bereit sind, im gleichen Umfang Anleihen zu kaufen. Es erscheint wahrscheinlich, dass der Kapitalbedarf nur durch eine attraktivere Rendite gedeckt werden kann. Sollte die Fed die Bonds kaufen, würde das für Inflationsdruck sorgen. Zusammen mit den anderen Maßnahmen Trumps, die alle inflationsfördernd sind, dürfte folglich die Geldentwertung in den USA zulegen. So lange Trump das Deficit Spending aufrechterhält, dürfte zumindest die US-Konjunktur davon profitieren. Sollten die Republikaner mit Blick auf die Staatsschulden allerdings den Stecker aus den Investitionsplänen ziehen, wäre ein positives Wachstum nicht mehr möglich – das günstigste Szenario wäre dann eine Stagflation, der Worst Case eine Rezession. Je nachdem wann die nicht-nachhaltige Konjunkturspritze einsetzt, und wie lange sie anhält, könnte die Wiederwahl Trumps aus ökonomischer Sicht gelingen. Nachhaltig wird sie Amerika vermutlich jedoch nicht großartig machen.